Herzwürmer beim Hund – was du als Adoptant wissen solltest
Ein positiver Herzwurmtest kann zunächst beunruhigend wirken – aber keine Sorge: Herzwürmer sind behandelbar, und ein Hund kann nach erfolgreicher Therapie ein glückliches, aktives Leben führen.
Es ist wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen, aber Panik ist nicht nötig. Mit der richtigen Behandlung, Geduld und tierärztlicher Begleitung können betroffene Hunde vollständig genesen.
Da Herzwürmer leider immer häufiger auftreten, möchten wir hier ausführlich über diese Erkrankung informieren und erklären, worauf zukünftige Adoptanten achten sollten.
Was sind Herzwürmer?
Herzwürmer (Dirofilaria immitis) gehören zur Familie der Filarien – parasitische Fadenwürmer, die verschiedene Krankheiten (Filariosen) auslösen können.
Neben dem Herzwurm kommen u. a. auch der Hautwurm (Dirofilaria repens) sowie weitere, seltener auftretende Filarienarten vor.
Die Übertragung erfolgt nicht direkt von Hund zu Hund, sondern über Stechmücken, die als Zwischenwirte fungieren.
Mit dem Stich gelangen winzige Larven (Mikrofilarien) in den Körper des Hundes, wo sie sich in mehreren Entwicklungsstufen zu erwachsenen Würmern entwickeln.
Diese siedeln sich vorwiegend in den Lungenarterien, bei stärkerem Befall auch in der rechten Herzkammer und den Hohlvenen an.
Symptome
Die Symptome treten häufig erst Monate nach der Infektion auf – meist, wenn sich bereits erwachsene Würmer gebildet haben.
Typische Anzeichen sind:
• Husten und Atembeschwerden
• schnelle Ermüdung, Leistungsschwäche
• Gewichtsverlust
• Ödeme (Schwellungen)
• in schweren Fällen und zu später Behandlung: Herz- oder Organversagen
Diagnose
In unseren Partnertierheimen in Rumänien und Ungarn werden Herzwürmer mit sogenannten Schnelltests (Snap-Tests) nachgewiesen.
Dazu wird dem Hund eine kleine Menge Blut abgenommen, zeigt der Test zwei Linien, gilt er als positiv.
Fällt ein Test positiv aus, folgt in der Regel ein Ultraschall, um festzustellen, ob und wo sich erwachsene Würmer befinden. So kann das Ausmaß des Befalls besser eingeschätzt und die passende Behandlung festgelegt werden.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Schweregrad des Befalls und der Erfahrung des Tierarztes ab.
Nicht jeder Tierarzt in Deutschland hat regelmäßig mit Herzwürmern zu tun, daher ist es wichtig, vorab jemanden zu finden, der mit dieser Erkrankung vertraut ist oder bereit ist, sich einzuarbeiten.
🩹 1. Slow-Kill-Methode
Diese Methode wird häufig im Ausland angewendet und eignet sich besonders bei leichterem Befall.
Sie dauert in der Regel 8–12 Monate und erfolgt mit folgenden Medikamenten:
• Doxypharm (Doxycyclin): tötet sogenannte Wolbachia-Bakterien ab, die für die Entwicklung und Vermehrung der Würmer notwendig sind.
👉 Wird meist in Intervallen verabreicht: 1 Monat Behandlung, 1 Monat Pause – über insgesamt 8 Monate.
• Advocate oder Moxiclear (Spot-On): tötet Larvenstadien (Mikrofilarien) ab und verhindert deren Weiterentwicklung.
👉 Anwendung alle 2 bis 4 Wochen, je nach Körpergewicht.
• Leberunterstützung (z. B. Hepapet): zum Schutz der Leber während der Medikamentengabe.
Wichtig: Während der gesamten Behandlung muss der Hund körperlich geschont werden.
Keine intensiven Spaziergänge, kein wildes Toben oder Sport – um das Risiko von Embolien durch absterbende Würmer zu vermeiden.
Nach etwa 8 Monaten wird ein erneuter Herzwurmtest durchgeführt.
Ist dieser negativ, gilt der Hund vorerst als herzwurmfrei.
Nach 6 weiteren Monaten sollte zur Kontrolle ein Knott-Test oder Filtertest gemacht werden.
💉 2. Melarsomin-Behandlung (nach AHS-Richtlinien)
Diese Behandlung wird von der American Heartworm Society (AHS) empfohlen und häufiger in Deutschland angewandt.
Sie erfolgt in mehreren Schritten:
1. 4 Wochen Doxycyclin-Vorbehandlung
– tötet die Wolbachien-Bakterien ab.
2. Melarsomin-Injektionen
– spezielle Spritzen, die die erwachsenen Würmer abtöten, werden in die Lendenmuskulatur gegeben.
– Nach 30 Tagen erfolgt eine zweite, teils auch eine dritte Injektion (je nach Befall).
Während dieser Phase ist strikte Ruhe besonders wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.
Nachsorge und Kontrolle
Nach Abschluss der Behandlung wird der Hund erneut getestet.
Bleibt der Test negativ, gilt er als geheilt – dennoch sollte jährlich ein Kontrolltest erfolgen, um sicherzugehen, dass keine erneute Infektion vorliegt.
Fazit
Ein Hund mit Herzwürmern braucht Zeit, medizinische Begleitung und Ruhe – aber er ist kein hoffnungsloser Fall.
Mit konsequenter Behandlung, Geduld und einem liebevollen Zuhause kann er sich vollständig erholen und ein ganz normales Leben leben.
